Der Platz in meinem Herzen

Puhh... damit hab ich nicht gerechnet. 

Mir war klar, dass es mir schwer fallen wird sie loszulassen, aber welche Gefühle mich da übermannen, damit hab ich nicht gerechnet.

Seit drei Jahren redet meine Tochter von nichts anderem als davon in London zu leben.
Ich hab sie schon immer bewundert dafür, dass sie große Träume und Pläne für ihr Leben hat. Wir haben sie immer darin unterstützt und ihr auch immer wieder versichert, dass ihr alle Türen offen stehen in ihrem Leben.

Das war auch der Grund warum wir ihr eine zweiwöchige Sprachreise nach London ermöglichten. Der erste Schritt quasi.
Sie war voller Euphorie und Aufregung, aufgekratzt und nervös. Genauso wie ich. 
Mit fünfzehn allein in ein fremdes Land wäre für mich damals keine Option gewesen. Ein Grund mehr warum ich so stolz auf sie bin.

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Ihr könnt mir glauben... einer der schwersten Momente für mich war es, sie durch die Sicherheitskontrolle gehen zu lassen, und ihr gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass sie das schafft, dass es richtig ist und dass alles gut wird. 
Ich habe meine tiefen Mamagefühle hinten an gestellt und sie ziehen lassen. 

Ja. Ich weiß. Es sind nur zwei Wochen. Es ist London. Es gibt mehr als fünf Möglichkeiten pro Tag hinzufliegen oder sie heimzuholen. Darum geht es gar nicht. Rein rational kann ich das alles gut einschätzen und argumentieren.

Mir geht's um die Gefühle einer Mutter. Um das Gefühl die Kinder immer beschützen zu wollen. Immer ein Teil ihres Lebens sein zu wollen. Sie immer um mich haben zu wollen und gleichzeitig zu wissen, dass es gut ist sie gehen zu lassen.

Es ist unsere Pflicht als Eltern sie gehen zu lassen! Sie sollen ihren Platz in der Welt finden. Wo auch immer der ist.
Alles was mir dann bleibt ist Vertrauen zu haben.
Vertrauen, dass alles gut wird, dass sie die Zeit genießen kann und mit vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen wieder nach Hause zurückkommt.

Ja. Ich weiß sie zieht nicht aus, noch nicht, aber diese Reise ist der erste Schritt. Für uns beide. Für uns alle.

Ist wirklich witzig. Wie die Kinder noch klein waren, habe ich den Tag herbeigesehnt wo sie selbstständiger werden, auf eigenen Beinen stehen und mich nicht mehr so dringend brauchen.
...und jetzt ist es doch schneller gegangen als mir lieb ist..

Heute kommt sie wieder zurück. Sie sitzt grad im Flieger auf dem Weg nach Hause. 
Ich freu mich so unglaublich darauf sie in den Arm zu nehmen.

Warum ich euch das erzähle?

Weil mir das Leben wiedermal etwas Wichtiges gelernt hat...  - Dankbarkeit!
Ich bin mit achtzehn von zu Hause ausgezogen. Meine Mutter hat mir immer das Gefühl gegeben, dass es gut und richtig ist, dass ich ruhig gehen kann. Meinen Platz finden soll. Wo auch immer dieser ist.
Sie hat  mir aber auch noch etwas Zweites auf den Weg mitgegeben! 
Sie hat immer gesagt, dass die Tür zu Hause für mich immer offen ist. Egal was passiert ist. Egal wie groß das Unglück ist. Wie falsch die Entscheidung auch sein sollte. 
Es gibt immer ein zu Hause für mich bei ihnen.

Genau das werde ich auch meinen Kindern immer wieder sagen.
Ihr habt immer einen Platz in meinem Herzen und in meinem Heim. Egal was passiert! 

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