Hinter der Fassade

Vor kurzem habe ich ein interessantes Gespräche mit einer Bekannten geführt. Sie hat mir von ihren Erlebnissen im letzten Jahr erzählt. Ich war sprachlos!

Ich hab ein Bussi für dich

So viele Herausforderungen und so viele Steine hat ihr das Leben in den Weg gelegt, und trotzdem stand sie vor mir und erzählte davon was sie in Zukunft machen will und das sie das Gefühl hat jetzt das Richtige gefunden zu haben.
Ich musste lange über dieses Gespräch nachdenken, nicht nur weil mich der Inhalt so beschäftigt hat, viel mehr war es die Tatsache, dass ich keine Ahnung hatte, wie es ihr ging.

Damals als meine Kinder noch im Kleinkindalter waren, besuchten wir eine der obligatorischen Eltern-Kind-Gruppen. Natürlich bin ich da hingegangen, schließlich war es eine Abwechslung für alle. Die Kids konnten mit anderen Kindern spielen und ich konnte mich mit den Müttern unterhalten.

Als frischgebackene Mama dachte ich naiver Weise, man findet ehrliche Gesprächspartner, mit denen man sich drüber unterhalten kann, dass es ziemlich nervt, wenn die lieben Kleinen die Schüssel mit den Nudeln nach dem ersten Bissen in hohem Bogen Richtung Boden befördern, um zu sehen ob er heute auch wieder unten ankommt. (...sie lieben es die Kräfte der Physik auszutesten...)
Aber ehrliche Gespräche in lockerer Runde waren selten. Oft erntete ich missbilligende Blicke und einen Kommentar á la "Na mein Kleiner macht das nie!" anstatt "Das kann ich verstehen. Mir geht es genauso!" Das hatte ich nicht erwartet. 
Sobald mehrere Mütter zusammenkamen begann sofort das Mein-Kind-kann-das-schon!-Waaaas-deins-noch-nicht?-Spiel. 
Ich fand das furchtbar. Wenn dann noch Sätze kamen wie: "WIR schlafen schon durch" "WIR waren heute schon am Töpfchen" oder "WIR haben heute schon ganz alleine gegessen" war ich mir oft nicht ganz sicher wie ich reagieren sollte. 
Ich weiß nicht, ob eine 30jährige Frau wirklich Anerkennung dafür braucht, dass sie alleine gegessen hat.
Ja, die Hormone und ja, die starke Bindung. Es sei ihr verziehen, dass sie in der Wir Form redet, wenn sie von ihrem Kind erzählt. Das war ja irgendwie lustig, aber Schluss mit lustig war bei mir bei diesen endlosen Vergleichswettbewerben.
Jedes meiner Kinder hat einen wunderbar einzigartigen Charakter und eine völlig eigene Entwicklung. Ich wollte sie nicht vergleichen, um zu sehen ob sie im Durchschnitt liegen. 
Pfeif auf Durchschnitt! Wer will das schon!
Egal ob es ums Durchschlafen oder die Schnullerentwöhnung ging oder darum ob ich das Haus verlassen darf ohne das sich jemand panisch an meinen Fuß klammert.

Ehrliche Gespräche wurden in diesen Gruppen oft außen vor gelassen. Da ging es drum wer kann was besser. Es war selten jemand so ehrlich zu sagen "Ich liebe meine Kinder, aber heute hätte ich gerne einen Pauseknopf gehabt. 

Jeder hält seine Fassaden aufrecht und versucht sein Gegenüber davon zu überzeugen, dass alles ganz easy ist. 
Ich hab irgendwann beschlossen, dass ich da nicht mitmache. Ich hab versucht ehrlich zu mir selbst und zu den anderen zu sein. Was nicht heißen soll, dass ich der Dame an der Kassa erzählt habe, dass mein Dreijähriger die volle Suppenschüssel als Hut verwendet hat. (...Kürbiscremesuppe ist bestimmt gut für die Haut...) 
Nein das nicht. Aber ich hab in Gesprächen auch mal laut ausgesprochen, dass ich meine Kinder manchmal auf den Mond schießen könnte. Wisst ihr was? Es tut gut es auszusprechen, dann muss man es nämlich auch nicht mehr machen. 
Einfach mal die Fassade sein lassen, und ehrlich über seine Gefühle reden, macht menschlich.

Genau diese Ehrlichkeit und die ungestellten Momente versuche ich auch mit meinen Fotos zu zeigen, weil ich es mag hinter die Fassaden zu blicken.

Bussi vom großen Bruder
mama_sophie_kuscheln_papa_peter_umarmung
schwestern_lachen_chiara_papa_umaramung